Die Anklageschrift, die heute vor dem Oberlandesgericht in München verlesen wird, ist lang: Dem 50-Jährigen Wolfgang M. aus Burgau-Unterknöringen werden versuchter Mord in sieben Fällen, schwere räuberische Erpressung in 18 Fällen und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen.
Der EDV-Spezialist, ursprünglich geboren in Augsburg, war nach Süditalien ausgewandert und hatte sich dann wohl entschieden, eine Überfallserie zu starten. Sein letzter Überfall vor gut einem Jahr bei der Raifeissenbank in Unterknöringen wurde auf der B300 kurz vor Gessertshausen (Kreis Augsburg) von der Polizei gestoppt. Als die Beamten den VW-Bus umstellten, in dem sich der Mann befand, schien der 50-Jährige keinen Ausweg mehr zu sehen: Vermutlich um sich selbst umzubringen, öffnete er eine Propangasflasche und zündete das ausströmende Gas an. Der VW-Bus explodierte. Er selbst wurde schwer verletzt, sieben Polizisten der Inspektionen Krumbach und Zusmarshausen erlitten schwere Verletzungen. Per Rettungshubschrauber wurde der mutmaßliche Bankräuber in die Spezialklinik für Brandverletzte nach München geflogen. Wochenlang lag er im Koma, wurde mehrmals operiert. Heute hat er keine Nase mehr. Auch seine Ohren wurden ihm weggerissen. Für den Rest seines Lebens sitzt Wolfgang M. im Rollstuhl.
Insgesamt soll der Beschuldigte seit 2008 Tankstellen, Optiker und eine Bank, unter anderem in Friedberg bei Augsburg, München-Milbertshofen, Rosenheim und Unterknöringen überfallen haben. Die Beute hielt sich in Grenzen. Die letzten zwei Jahre bevor er gestoppt wurde, soll der Mann in seinem grünen VW-Bus gewohnt haben – neben seinem Motorroller und zusammen mit einem Hund. Das im Bus gefundene Geld wurde damals der Raiffeisenbank zurückgegeben.
Seit Ende 2010 befindet sich der 50-Jährige in einer Haftanstalt in Oberbayern. Am 11. November wird ein Urteil erwartet — es drohen bis zu 15 Jahren Haft.










