Vor 6 Wochen wurde der Augsburger Polizist Mathias Vieth vor den Augen seiner Kollegin erschossen. Welche Qualen die Kollegin erleiden muss, die ihn sterben sah, kann sich Margit Haber genau vorstellen. Vor 16 Jahren ist ihr dasselbe passiert. Bei einem Einsatz wird ihr Kollege an einem Münchner U-Bahnhof erschossen. Sie selbst überlebt schwer verletzt.
Am 22. Januar 1995 überfällt der Bosnier Boro M. eine Tankstelle. Er flieht mit 3.000 DM. Eine Großfahndung wird eingeleitet. Die 24 Jahre alte Margit Haber und ihr 21 Jahre alter Kollege Markus Jobst sollen den U-Bahnhof Bonner Platz absuchen. Als sie ihn stellen wollen, schießt Boro M. — Markus Jobst treffen zwei Kugeln. Er stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Margit Haber wird am Oberschenkel getroffen. Schwerverletzt bleibt sie liegen.
Die Ärzte können ihr Bein retten. Der Täter wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch Margit Haber leidet an sogenannten posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie kann kein normales Leben mehr führen. Beziehungen scheitern. Freundschaften zerbrechen. Auch von Arbeitgeber und Kollegen fühlt sie sich im Stich gelassen. Haber wechselt zur Kripo. Heute macht sie eine Umschulung zur Rettungsassistentin — und hofft auf die Kraft, den Mord an ihrem Kollegen irgendwann zu überwinden.
Im Fall des Ende Oktober in Augsburg getöteten Polizisten fehlt nach wie vor eine heiße Spur. Mittlerweile seien rund 650 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, sagte ein Sprecher der Polizei. Die meisten Hinweise beträfen das am Tatort zurückgelassene Motorrad. Mittlerweile werde auch international nach den Männern gesucht. Der Beamte war am 28. Oktober im Augsburger Siebentischwald beim Versuch, zwei Männer auf einem Motorrad zu kontrollieren, erschossen worden.
(Bild: Archiv — Trauerfeier für Mathias Vieth)




