In Bayern gibt es 3,8 Millionen Ehrenamtliche. Sie engagieren sich neben ihrem normalen Job für die Allgemeinheit ohne dafür bezahlt zu werden. Doch immer wieder stoßen sie dabei an bürokratische Grenzen, so dass aus dem Ehrenamt eine echte Belastung wird.

Feuerwehrkommandant Anton Frankl: "Zu sagen: 'Halt - die 48 Stunden sind überschritten, nicht mehr löschen! ' - das kann's ja wohl nicht sein."
Und es wird nicht besser: In SAT.1 BAYERN berichten wir heute über Pläne der EU, wonach jeder Arbeitnehmer insgesamt nur noch 48 Stunden in der Woche arbeiten dürfen soll – in Beruf und berufsähnlichem Ehrenamt zusammen. Das hieße zum Beispiel, dass nach einer 40 Stundenwoche im Beruf nur noch acht Stunden zum Beispiel im Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr möglich wären.
“Wäre dies der Fall, könnten wir in Deutschland zukünftig die Einsatzleistung unserer 23 Millionen ehrenamtlich Tätigen, wie zum Beispiel bei den Freiwilligen Feuerwehren, zumindest teilweise abschreiben”
Das sagt zum Beispiel die Europa Abgeordnete Anja Weisgerber aus Schweinfurt. Das Ehrenamt müsse gefördert und nicht beschränkt werden.
Basis der Diskussion ist der so genannte “Europäische Sozialdialog” und die Forderung der Gewerkschaften, die wöchentliche Höchstarbeitszeit europaweit pauschal auf 48 Stunden zu beschränken.
Doch auch wenn die neue Regelung mithilfe bayerischer Politiker abgewendet werden kann, viele weitere (bürokratische) Hürden beim Ehrenamt bleiben:
- Bei vielen Arbeitgebern sind ehrenamtlich Engagierte inzwischen unerwünscht, der Bewerber könnte seine Arbeitszeit und -kraft vernachlässigen. Deswegen verschweigen viele Beschäftigte aus Angst um ihren Arbeitsplatz ihre freiwilligen Tätigkeiten.
- Lücken müssen geschlossen werden. In Bayern zum Beispiel stehen 7.700 Freiwilligen Feuerwehren gerade einmal sieben Berufsfeuerwehren entgegen – und hier wird es immer schwieriger, Nachwuchs zu finden.
- Der Arbeiter Samariter Bund kritisiert auch, dass zum Teil ehrenamtliche Arbeit als Lückenbüßer für einen Abbau des Sozialstaates missbraucht wird. Vor allem im Pflegebereich würden nur die nötigsten Leistungen von den Versicherungsträgern finanziert. Zeit und Zuwendung erhielten die Patienten dagegen oft von Freiwilligen.
- Wer sich in Deutschland ehrenamtlich engagiert, setzt unter Umständen sein Privatvermögen aufs Spiel. Der Vorstand eines Vereins haftet für grob fahrlässig herbeigeführte Vermögensschäden persönlich.
- Als “Bürokratiemonster” bezeichnete Uwe Niemeyer, Vorsitzender des TSV 1860, in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung. Das liegt unter anderem daran, dass Zuschüsse für Vereinsmitgliedschaften von Kindern nicht an die Eltern, sondern direkt an die Vereine gezahlt wird. Die müssen sich um jede Buchung einzeln kümmern.



