So reagiert Bayern auf die Koran-Verteilung

Die Gratisaktion der Salafisten stößt auf deutlichen Widerspruch

Der Verfassungsschutz sieht’s nicht gerne und auch viele Bayern sind schlicht skeptisch: Denn hinter der massenweise geplanten Verteilung des Korans werden fundamentalistische Absichten vermutet.

120413_salafisten.m4v 120413_salafisten.m4v

Das Buch kennen und nicht nur darüber reden: So einfach und friedlich erklären sich bestenfalls jene Moslems, die seit dem letzten Wochenende an dem Plan beteiligt sind, 25 Millionen Exemplare des Korans, der Heiligen Schrift des Islam, kostenlos an Andersgläubige in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu bringen.

Im Internet kursieren zahlreiche Videos, in denen der Koran auch in bayerischen Städten an den Mann gebracht wird.

Auch in Bayern gab es schon in den vergangenen Monaten immer wieder Infostände, auf Videoplattformen finden sich zahlreiche Aufnahmen.

Für den Verfassungsschutz und auch zahlreiche Politiker steckt hinter der Koran-Verteilung etwas ganz anderes als guter Wille zur Kulturverständigung.

“Politische Salafisten lehnen westliche Gesetze und die Werte westlicher Gesellschafts- und Herrschaftssysteme als unislamisch und unterlegen kategorisch ab. Sie orientieren sich kompromisslos an der islamischen Frühzeit vor 1.400 Jahren und befürworten frühislamische und Herrschafts- und Gesellschaftsformen” – Verfassungsschutzbericht 2011

Aufhänger für weitere Vorwürfe sind unter anderem auf YouTube kursierenden Videos (die mittlerweile gelöscht wurden). Darin wurden Journalisten, die die Veteilung kritisiert hatten, als “Affen” oder “Schweine” bezeichnet. Der kostenlose Koran bringe vor allem eins: Aufmerksamkeit – und das sei bei dieser Gruppe gefährlich.

Veraltetes Weltbild?

Höre und gehorche! – rp-online

ist nur einer der Forderungen, die männlichen Salafisten zum Beispiel an ihre Frauen stellen – auch, dass sie vollverschleiert sind. Eine “PR-Aktion” für solche Glaubensgrundsätze betrachtet auch Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU)  ”mit großer Sorge”:

“Wenn man in Deutschland die Toleranz der Christen einfordert, gibt es eine moralische Verpflichtung, in den islamischen Ländern ebenfalls Toleranz gegenüber den Christen zu üben” - Passauer Neue Presse

Benjamin Idriz, Imam von Penzberg in Oberbayern und wegen des Vorwurfs von Kontakten zu Islamisten selbst unter Beobachtung, nimmt den Islam an sich jedoch in Schutz:

“Der Islam ist völlig integrierbar, er ist für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus.” - Augsburger Allgemeine 

Auch der Zentralrat der Muslime distanziert sich von der Aktion:

“Der Koran ist kein PR-Flyer, den man als Massenware verteilt.”

Der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, sagt:

„Ich betrachte die kostenlose Verbreitung von Koran-Ausgaben durch den Verein „Die wahre Religion“ in immer mehr deutschen Städten mit großer Sorge. Allein der Name des Vereins lässt auf die Gesinnung seiner Mitglieder schließen.”

Am Wochenende wollen radikal-islamische Salafisten laut der Zeitung “Welt” eine neue Verteilaktion in deutschen Fußgängerzonen starten. Dabei werden die Infostände wohl auch wieder in bayerischen Großstädten aufgebaut:

“Auch in Bayern verdichten sich Hinweise auf eine zunehmende, sind in Netzwerken organisierende Anhängerschaft salafistischer Ideologie” – Verfassungsschutz

Die Aktion "Lies!" soll laut aktuellen Meldungen auch am kommenden Wochenende in den bayerischen Großstädten stattfinden. (Grafik: SAT.1 BAYERN)

Zuletzt aktualisiert:  von
Bild-Quellen: SAT.1 BAYERN

Kommentare

*

Mit * gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.

2 Antworten auf So reagiert Bayern auf die Koran-Verteilung

  1. Pingback: Razzien gegen Salafisten in Bayern | 17:30 SAT.1 BAYERN - Das Regional-Magazin für Bayern.

  2. Jörg Schmid sagt:

    “Im Inter­net kur­sie­ren zahl­rei­che Videos, in denen der Koran auch in baye­ri­schen Städ­ten an den Mann gebracht wird.” – nur eine von zahlreichen Stellen in diesem Text, die ich nur mit unterdrücktem Würgereiz lesen konnte. Sie sollten Ihre Online-Redaktion dringend zur Nachhilfe schicken – mit Journalismus hat das jedenfalls nichts zu tun!

    Diesen Kommentar bewerten: Daumen hoch 0 Daumen runter 0