Prozess in Traunstein: Die Tote im Küchenschrank

Die junge Frau war drogenabhängig – das Milieu im Tatumfeld macht den Fall schwierig

Ein 29 Jahre alter Mann muss sich vor dem Gericht in Traunstein wegen Totschlags verantworten. Dem Vorwurf zugrunde liegt der mysteriöse Tod einer junger Frau – ihre Leiche verweste in einem Küchenschrank, anscheinend wurde sie von niemandem vermisst.

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Die Leiche von Dorena Weber aus Traunstein lag zehn Monate unentdeckt im Küchenschrank – seit heute muss sich der Freund des Opfers in einem Indizienprozess vor dem Schwurgericht Traunstein verantworten.

Ein Fingerabdruck des Angeklagten auf Klebeband beweist, dass der 29-Jährige zumindest beim Verstecken der Leiche beteiligt war: Das Klebeband war um den Schrank gewickelt, außerdem war der Küchenschrank, der zum Sarg der Frau wurde, mit einer Folie verpackt. Der Angeklagte soll in einem Verpackungsladen gearbeitet haben.

Ein reiner Indizienprozess

Andy H. muss sich wegen des Totschlags an Dorena Weber verantworten. (Foto: SAT.1 BAYERN)

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 29-Jährige aus Eisenberg in Thüringen seine Freundin im Oktober 2010 in der Traunsteiner Wohnung im Streit erwürgte und die Leiche im Schrank versteckte. Die Wahrheit herauszufinden, wird schwierig, da es keine Tatzeugen gibt und die Leiche der 28-Jährigen so stark verwest war, dass die Todesursache nicht mehr genau festgestellt werden konnte. Es soll jedoch Spuren von Gewalteinwirkung am Kehlkopf der jungen Frau geben. Dem Gutachter kommt damit eine wichtige Rolle im Verfahren zu.
Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen und hat angekündigt, sein Schweigen auch nicht während des Prozesses zu brechen. Er muss sich wegen der unklaren Beweislage wegen Totschlags und nicht wegen Mordes verantworten. Auch sein Verteidiger hat heute die Frage, ob er von Schuld oder Unschuld seines Mandanten überzeugt ist, nicht beantwortet.

Der Nachweis eines aktiven Tuns ist aus unserer Sicht bisher nicht erbracht. Ich rechne daher nicht mit einer Verurteilung wegen Totschlages.” – Verteidiger Harald Baumgärtl in welt.de

Auf die Schuld des Angeklagten deutet jedoch hin, dass der Mann die junge Frau immer wieder körperlich misshandelt haben soll. Deswegen hatte Dorena Weber auch Anzeige erstattet, diese aber zurückgezogen. Das enge Verhältnis zum Angeklagten soll auch dafür gesorgt haben, dass Freunde die junge Frau über so lange Zeit nicht als vermisst gemeldet hatten. Gegenüber SAT.1 BAYERN äußerten sich Bekannte, dass die Tote aus schwierige Familienverhältnissen kam, sich die Eltern schon zu Schulzeiten kaum um Dorena Weber gekümmert hatten.

Gerüchte, dass Dorna Weber als Prostituierte gearbeitet haben soll, wurden heute nicht bestätigt. Die junge Frau soll soll sich jedoch auf Drogenentzug befunden haben und den Heroin-Ersatzstoff Methadon konsumiert haben. Von Arbeitskollegen wurden die zierliche Frau als “lieb, aber unzuverlässig” beschrieben.
Für den Prozess sind vier Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll am 10. Mai fallen.

Am 6. August 2011 war die Leiche von Dorena Weber von ihrem Vermieter gefundenen worden. Er wollte die Wohnung zwangsräumen, nachdem die junge Frau weder Miete überwies noch zu erreichen war. (red/dpa)

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Bild-Quellen: SAT.1 BAYERN

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