Prozess in Nürnberg: OP am falschen Knie

Wir haben für Sie Tipps gesammelt, wie Sie sich im Fall von Ärztepfusch wehren können

Auch Götter in Weiß, Ärzte, sind Menschen – und machen Fehler. Mehrere tausende im Jahr sind es auch in Deutschland sicher. An einem Fall aus Nürnberg zeigen wir, wie schwierig es für die Betroffenen sein kann, dann ihr Recht zu bekommen.

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Wir berichten über eine Frau aus Nürnberg, für die eine eigentlich unkomplizierte Operation zum jahrelangen Kampf wurde. Grund dafür: Der behandelnde Arzt operierte im Jahr 2008 statt dem linken das rechte Knie. Eigentlich sollte aus dem linken Knie nur ein Zyste entfernt werden, auch die Unterlagen für die OP wiesen aus, dass deswegen hier das Messer angesetzt werden musste. Als Renate Gottwald jedoch aus der Narkose erwacht, findet sie  ihr rechtes Knie einbandagiert. Der Arzt rechtfertigt den Eingriff damit, dass man während der OP ein Knacken in diesem Knie bemerkt habe, deswegen dort zuerst operiert habe. Renate Gottwald sagt gegenüber der Abendzeitung Nürnberg: “In dem hatte ich überhaupt keine Beschwerden”.

Der Ärzte-Pfusch bleibt nicht ohne Folgen. Mittlerweile musste am falsch operierten Knie ein künstliches Gelenk eingesetzt werden. Für die Folgeschäden klagt Renate G. jetzt am Nürnberger Landgericht um Schadensersatz – eine außergerichtliche Einigung kam nicht zustande. Arzt und Versicherung halten dagegen, dass die Schäden auch ohne den Eingriff enstanden wären.

Der Fall von Renate G. ist kein Einzelfall

Laut Aktionsbündnis Patientensicherheit erleben rund 2 bis 4 Prozent der Patienten in Deutschland Ähnliches. Das Bundesgesundheitsministerium geht von 40.000 bis 170.000 Behandlungsfehlern jährlich aus. Eindeutige Zahlen gibt es jedoch nicht. Das liegt daran, dass es keine Stelle gibt, die alle Meldungen dieser Art überprüft. So gibt es zum Beispiel eine Schlichtungsstelle der Ärztekammer – die setzte sich 2008 mit über 10.000 Fällen auseinander, in dem Patienten sich als Opfer eines Ärztepfuschs sehen. Nochmal so viele Fälle verzeichnet Jahr für Jahr zum Beispiel die AOK. Anstiege der Zahlen dürften auch daran liegen, dass das Bewusstsein fürs Thema Kunstfehler steigt. Andererseits scheuen sich viele Ärzte, Kunstfehler zuzugeben – auch, weil sie fürchten ihren Versicherungsschutz zu verlieren. Im Jahr 2010 waren es laut Bild.de 1.712 Menschen, die wegen Fehlern von Ärzten und Medizinpersonal ums Leben kamen. Hauptursache: Mangelnde Desinfektion.

Was können Sie als Patient tun?

  • Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt, am besten im Beisein eines Zeugen
  • Dokumentieren Sie Krankheitsverlauf, Gespräche – denn bei einer Gerichtsverhandlung liegt die Beweispflicht meist bei Ihnen
  • Als Patient haben Sie das Recht, ihre Krankenakten einzusehen – allerdings nur in Kopie
  • Beim Medizinischen Dienst des Spitzenverbands der Krankenkassen können Sie kostenlos ein Gutachten erstellen lassen (zum PDF)
  • Informieren Sie Ihre Krankenkasse – die schickt unter Umständen einen unabhängigen Sachverständigen
  • Suchen Sie Hilfe bei der Schlichtungsstelle der Landesärztekammer

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Bild-Quellen: SAT.1 BAYERN

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Eine Antwort auf Prozess in Nürnberg: OP am falschen Knie

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