Pollenallergie – es wird noch schlimmer

Der Klimawandel lässt Pflanzen wachsen und Pollen und ihre Allergene sprießen

Eine europaweite Studie, die heute in München vorgestellt worden ist, ist Basis für eine beunruhigende Zukunftsaussicht: Die Belastung durch den Pollenflug wird immer stärker. Doch zur Hilfe von Allergikern gibt es auch neue Ansätze, die hoffen lassen.

120511_pollen.m4v 120511_pollen.m4v

Mehr als 20 Prozent aller Menschen in Europa kennen es: Wenn der Frühling kommt, geht’s los mit den Symptomen, die sich wie die übelste Erkältung anfühlen können. Der Großteil der Pollenallergiker reagiert auf die Pollen von Bäumen, Blühpflanzen und Gräsern. Und jetzt kommen beunruhigende Nachrichten von einem Forscherteam der Uni München nach den Ergebnissen einer europaweiten Studie, und zwar: Der Klimawandel macht’s in den kommenden Jahren noch schlimmer. Städte seien besonders betroffen: Im Durchschnitt habe der Zuwachs der Pollenmenge in urbanen Gebieten bei drei Prozent im Jahr gelegen, in ländlichen Gegenden sei es ein Prozent pro Jahr gewesen, teilte die TU am Montag mit.

VIDEO: Die Pollen schaden auch Ihrem Auto! Sehen Sie mehr in unserem Beitrag vom letzten Jahr. (Bild: SAT.1 BAYERN)

Zum einen liegt das an der höheren Kohlendioxid-Konzentration in der Luft – die beschleunigt Pflanzen- und Pollenwachstum. Zum anderen sorgen wärmere Temperaturen und zugewanderte Pflanzenarten für eine längere Pollenflug-Saison. Die Konsequenz: Es gibt heute schon in ganz Europa mehr Pollen in der Luft als es noch vor ein paar Jahren der Fall war.

Heuschnupfen allerdings hat auch seine eigenen Gesetze: Die allergische Reaktion gegen eine bestimmte Pollenart kann nämlich laut der Studie der Forscher höchst unterschiedlich ausfallen. Denn nicht nur die Menge der Pollen ist für die Abschätzung künftiger Allergiebelastungen entscheidend, da Pollen nur die Träger von allergiefördernden Substanzen sind.
Abhängig von Zeit und Region produzieren die Pollen verschieden große Mengen an Eiweißverbindungen, die letztlich für die allergische Immunantwort verantwortlich sind. Die allergischen Symptome entstehen, wenn die betroffenen Personen mit dem Allergen in Kontakt kommen, für das sie sensibilisiert sind. Wie stark die Belastung für die Patienten ist, lässt sich bis heute nur über die Pollenkonzentration in der Luft ermitteln.
Diese Methode sagt jedoch wenig über die tatsächliche Aggressivität der Pollen aus. Denn abhängig von ihrem Reifungszustand stellen Pollen einer Pflanzenart nicht nur verschiedene Allergene her – auch die Menge der Allergie-auslösenden Proteine variiert. An “starken” Tagen werden demnach bis zu 10 Mal mehr Allergen freigesetzt als an anderen. (Quelle: hialine.eu) 
Ein wichtiges Ergebnis der Studie: Mit kombinierten Auswertungen von Allergen-Messungen, Pollenflug und Wetterdaten könnten bisherige Allergie-Modelle deutlich verbessert werden. Auch zeige sich, dass eine Hypersensibilisierung mit allergenen Proteinen statt mit Pollen-Extrakten deutlich gezielter ausfallen könnte.