
Frank Bsirske, Vorsitzender ver.di (Foto: ver.di)
Schlecker wird aufgelöst. Die Entscheidung über die Zukunft der Schleckerbeschäftigten ist damit gefallen. Die Kündigung für die verbliebenen 3000 bayrischen Mitarbeiter steht unmittelbar bevor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz teilte die Entscheidung heute den Mitarbeitern und Betriebsräten in Berlin mit.
Investoren: Risiko zu hoch
Am Ende konnten die Verhandlungen im Sinne von Schlecker zu keinem positiven Ergebnis gebracht werden. Die hohen Schulden von Schlecker, die drohenden Kündigungsschutzklagen und das zersplitterte Filialnetz sind den Investoren ein zu hohe Risiko. Gleichzeitig konnten die Bewerber kein klares Sanierungskonzept und Arbeitsplatzgarantien vorlegen.
Die Drogeriemarktkette kann als Ganzes nicht erhalten bleiben, somit wurde heute die Zerschlagung des Konzerns beschlossen.
Die Tochtergesellschaften “IhrPlatz” und “SchleckerXL” sollen jedoch eine eigenständige Zukunft erhalten. Die ausländischen Tochtergesllschaften werden ebenfalls verkauft.
Von Seiten der Mitarbeiter mangelte es nicht an der Bereitschaft, den eigenen Arbeitsplatz zu sichern. Lohnverzicht von über 10% gegen eine Arbeitsplatzsicherung war das Angebot der Beschäftigten.
“Die FDP ist regelrecht stolz darauf, Schlecker nicht geholfen zu haben”
Auf der Pressekonferenz von Verdi in Berlin erhob Frank Bsirske schwere Vorwürfe gegenüber der Politik, die mit Arroganz und Ignoranz die Gründung einer Transfergesellschaft verhindert hat und jetzt tausende von Schlecker-Frauen in die Arbeitslosigkeit schickt. Verdi ist mit Ministerien und dem Kanzleramt in Gesprächen, um Druck auf die FDP auszuüben. “Die FDP ist regelrecht stolz darauf, Schlecker nicht geholfen zu haben”, so Bsirske.
“Schuld an der jetzigen Situation ist die Familie Schlecker und die Politik”, so Christel Hoffmann, Betriebsratsvorsitzende bei Schlecker.
Schlußverkauf: Lager werden geräumt
Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wird die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan schnell aufnehmen. Die Kündigungen an die verbleibenden rund 13.200 Mitarbeiter in Deutschland werden Ende Juni ausgesprochen. In den 2.800 deutschen Filialen wird es zeitnah einen Schlußverkauf geben.
“Durch Arbeit arm”
Das Modell “durch Arbeit arm”, mit dem Schlecker durch Lohndumping, Unterbesetzung der Filialen und Überwachung der Mitarbeiter in die Kritik geriet, ist gescheitert. Somit ist dass vielleicht ein positiver Ausblick auf den Arbeitsmarkt in Deutschland und für künftige Lohnabschlüsse.
Die Konkurrenz hat wenig Interesse an den Schleckermärkten, neue Mieter werden sich finden, mit anderen Produkten. Auch hier wird das letzte Schlecker-Werbespruch gelten: FOR YOU.VOR ORT. Hoffentlich mit mehr Erfolg für die Beschäftigten.


