Am Sonntag stimmen die Münchner über das große Streit-Thema “3. Startbahn am Münchner Flughafen” ab. Das Ergebnis wird auf alle Fälle als DAS Argument für oder eben gegen den geplanten Ausbau herhalten müssen.
Wer nicht gerade im direkten Umfeld des Münchner Flughafens lebt, für den ist der schicke Airport meistens dann ein Thema, wenn’s in den Urlaub geht. Kein Wunder, dass viele erstmal nichts Negatives dran finden können, wenn der Flughafen um eine 3. Startbahn erweitert werden soll. Besonders für Umweltschützer und Anwohner allerdings ist der Ausbau eine Horrorvorstellung – und noch dazu völlig unnötig. Zeit, um sich Überblick zu verschaffen: Wir stellen für Sie beide Seiten gegenüber – zu den wichtigsten Stichpunkten in der Diskussion um die 3. Startbahn!
Bedarf
PRO: Die florierenden Unternehmen in und rund um München sind auf eine gute Fluganbindung angewiesen. Der Flughafen wird auch in Zukunft ein wichtiger Standortfaktor sein, um erfolgreiche Unternehmen in die Region zu ziehen und zu halten. Auch die Passaiergzahlen steigen laut den Befürworten – 2010 hatte der Flughafen 34,7 Millionen Passagiere, im Anfangsjahr 1992 nur 12 Millionen.
CONTRA: Die Flugbewegungen am Flughafen sind zurückgegangen – sie dürften zum Beispiel laut dem Aktionsbündnis “Aufgemuckt” demnach bei unter 400.000 in diesem Jahr liegen – entgegen anderslautender Prognosen. Selbst der parteiische Gutachter der Flughafen München GmbH (FMG) gebe zu, dass mit dem Zwei-Bahn-System 480.000 Bewegungen abgewickelt werden können.
Reisefreudige Bürger
CONTRA: Das Angebot an Zielen vom Münchner Flughafen aus übersteigt bereits jetzt den Reisebedarf der Bürger in der Region. Als Umschlagsflughafen steht bereits Frankfurt zur Verfügung.
PRO: Wenn München zum Drehkreuz wird, profitieren auch die Urlauber aus dem Umland – sie können dann da zusteigen, wo andere umsteigen.
Kosten
PRO: Die Einnahmen aus Lohn- und Gewerbesteuern würden mit der 3. Startbahn weiter steigen. Damit kann die Stadt München wichtige Investitionen vornehmen. Außerdem will die Flughafengesellschaft das Projekt selbst finanzieren.
CONTRA: Die FMG gibt aktuell die Baukosten mit 1,2 Milliarden Euro an. Gegner rechnen mit einem Vielfachen, das am Ende doch der Steuerzahler tragen müsste. Denn die FMG als Bauherr ist bereits jetzt hoch verschuldet.
Fliegen – eine Zukunftslösung?
CONTRA: Weil Kerosin von der Steuer befreit ist, ergibt sich ein günstigerer Flugpreis, als wenn der Treibstoff besteuert wäre. Damit ist eine reale Abbildung von Angebot und Nachfrage nicht möglich. Zudem ist Rohöl ein Rohstoff, der immer weniger wird.
PRO: Produkte und Dienstleistungen lassen sich über den Luftverkehr schnell in die Welt bringen. Die heimische Wirtschaft profitiert davon. Außerdem nimmt der Flugverkehr weltweit zu – es wäre gefährlich, sich von diesem Wirtschaftszweig abzuschneiden.
Natur- und Klimaschutz
PRO: Weil Flugzeuge warten müssen, um eine der beiden Landebahnen nutzen zu können, drehen sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt in vielen Fällen Warteschleifen, machen so extra Lärm und verbrauchen noch mehr Kerosin. Außerdem verschwindet der Flugverkehr nicht, wenn keine 3. Startbahn kommt – dann fliegen die Flugzeuge halt woanders.
CONTRA: Das Erdinger Moos gilt als geeigneter Ort für ein Vogelschutzgebiet. Auf Größe des Tegernsees würde es mit einer 3. Startbahn zerstört werden. Dass sich der Ausstoß am Flughafen durch mehr Verkehr erhöht, liegt auf der Hand.
Solidarität
CONTRA: Für das Umland ist die Situation schon jetzt schwer zu ertragen. Allein der Freisinger Ortsteil Attaching würde nach Schätzungen der FMG mit der 3. Startbahn bis zu 530 Mal täglich in einer Höhe von nur rund 50 Metern direkt überflogen. (
zum Beitrag)
PRO: Es fliegt kein Flieger weniger, nur weil München keine 3. Startbahn bekommt. Die Flieger kreuzen dann eben woanders und andere sind betroffen. Sollte der Ausweichverkehr über Salzburg erfolgen, fliegen die Flugzeuge sogar weiter über unsere Köpfe. Außerdem muss München selbst nicht mehr Lärm fürchten, verspricht Flughafenchef Kerkloh.
Neue Arbeitsplätze
PRO: Laut der Abendzeitung München entstünden mit dem Ausbau allein am Flughafen 11.000 neue Jobs.
CONTRA:Wegen der geringen Arbeitslosenquote in der Region rund um den Flughafen gibt es einen starken Zuzug – „die Region platzt aus allen Nähten“, Wohnraum hingegen fehlt. Andere Regionen hätten die Arbeitsplätze viel nötiger.
“Monopolist” Lufthansa?
CONTRA: Als “Hauptverursacher” des Umsteigeverkehrs sehen die Gegner Lufthansa in einer Art Monopolstellung – damit könne das Unternehmen diktieren, welche Voraussetzungen am Flughafen gegeben sein müssen. Die Forderungen (z.B. eine maximale Verspätung von 4 Minuten) seien überzogen.
PRO: Andere Fluggesellschaften haben es unter anderem genau deshalb schwer, am Flughafen Fuß zu fassen, weil sie wegen mangelnder Kapazitäten abgewiesen werden müssen. Das mindert die Konkurrenzfähigkeit des Münchner Flughafens als Drehscheibe.
Bereits 2007 hat die Flughafen München GmbH (FMG) das Planfeststellungsverfahren für eine 3. Start- und Landebahn am Flughafen München beantragt. Sie soll 4.000 Meter lang sein und im Abstand von 2.100 Metern zur jetzigen Nordbahn gebaut werden. Im Juli 2011 hat die Regierung von Oberbayern das Projekt genehmigt. Seitdem gingen hunderte Klagen gegen die Entscheidung beim Verwaltungsgerichtshof in München (VGH) ein. Der Bürgerentscheid in München ist entscheidend, weil die Landeshauptstadt einer von drei Gesellschaftern des Flughafens ist. Wichtige Entscheidungen müssen laut Vertrag einstimmig fallen. Die Münchner haben es also in der Hand – ihr “Nein” am Sonntag würde vermutlich das Aus für die 3. Startbahn bedeuten.