Die letzte Tage vor der Kündigung waren für die Schlecker-Mitarbeiterinnen voller Arbeit. Denn bevor die Filialen schließen können, fand der große Ausverkauf statt. Bei Rabatten bis zu 70 Prozent rannten die Kunden nicht nur in Bayern die Filialen ein – jene Filialen, die den Kunden vorher zu wenig gefallen hatten, als das sie noch wirtschaftlich rentabel waren.
Schon im März hatte es bei Schlecker die erste große Kündigungswelle gegeben. Damit sind derzeit in Bayern rund 3700 ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen betroffen.
Die Zahl der tatsächlichen Arbeitslos-Meldungen werde nach der Schließung aller Filialen der insolventen Drogeriekette in den nächsten Wochen deutlich steigen. Vor gut 2 Wochen sagte sagte der Leiter der Regionaldirektion der Arbeitsagentur in Bayern, Ralf Holtzwart: “Wir rechnen mit etwa 2.000 zusätzlichen ehemaligen Schlecker-Beschäftigten in Bayern, die zu uns kommen werden”. Bis zu besagtem Zeitpunkt hätten sich schon 1.600 gemeldet, aber mehr als 600 seien schon wieder vermittelt oder aus anderen Gründen abgemeldet. Den kompletten Vermittlungsbedarf zu erfassen, ist schwierig: Die Mitarbeiter waren teilweise in den Filialen nicht zu erreichen.
Poker und Politik – auf dem Rücken der “Schlecker-Frauen”
Die Massen-Kündigungen lösten auch ein Spiel auf Zeit auf dem Arbeitsmarkt aus. Da viele Filialen jetzt erstmal leer stehen, hoffen Konkurrenzfirmen darauf, die Preise für die Filialen drücken zu können – bevor sie sie selbst nutzen. Darauf müssen auch die Schlecker-Mitarbeiter warten. Währenddessen werden die Frauen schon in anderen Beschäftigungfeldern “verbucht”. Einige der deutschlandweit rund 13.000 Mitarbeiter sollten, so ein Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, zur Erzieherin oder Altenpflegerin umgeschult werden.
Das Problem: Schlecker hat viele Filialen in ländlichen Gebieten unterhalten – oft war der blau-weiß Drogeriemarkt der einzige Einzelhandel vor Ort. Damit müssen sich wohl viele ehemalige Mitarbeiter in Zukunft auf längere Arbeitswege einrichten – was finanziell und organisatorisch zum Problem werden kann:
“Ich habe nur 20-Stunden-Jobs angeboten bekommen – das rechnet sich nicht, wenn man noch pendeln muss” – Schlecker-Mitarbeiterin im handelsblatt
Zukunft offen?
Rein statistisch sieht das Problem Jobverlust im Einzelhandel nicht so dramatisch aus – besonders in Bayern. Von den Arbeitslosen, die eine Stelle als Verkäufer oder Verkäuferin suchten, hat jeder 10. eine Stelle im Verkauf gefunden, geht aus einer der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Übersicht der Bundesagentur für Arbeit hervor. Für Frauen mit einer abgeschlossenen Verkäuferinnen-Ausbildung waren die Chancen in Bayern sogar noch größer: Innerhalb der ersten fünf Monate fanden 12,3 Prozent einen Job im Handel. Aktuell seien im Freistaat 5.000 Stellen im Einzelhandel offen.
Zum Vergleich: In Deutschland verlieren jeden Tag fast 20.000 Menschen ihren Job, und mehr als 20.000 finden einen neuen Arbeitsplatz. “Jeden Tag. Das ist die normale Dynamik am Arbeitsmarkt”, sagt Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Agentur für Arbeit, gegenüber der “Zeit“. (dpa -red)





