LGL-Bericht 2011: So sicher sind unsere Lebensmittel

Nach dem Ekel-Skandal bei Müller-Brot: Ware die Kontrollen wirklich ausreichend?

Schaben und Mäusekot in der Semmel- und Brotproduktion – der Ekel-Skandal von Müller-Brot ist noch nicht vergessen. Heute wurde veröffentlicht, wie die Arbeit der Lebensmittelkontrolleure im letzten Jahr aussah: Über 10 Prozent der rund 70.000 Proben wurden beanstandet.

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Im Bayerischen Landtag ist heute der Lebensmittelbericht 2011 vorgestellt worden. Er fasst zusammen, was die Lebensmittelkontrolleure im Freistaat ans Tageslicht brachten – und was die Ergebnisse ihrer Arbeit über die Qualität unseres “täglich Brot” aussagen.

Demnach haben amtliche Kontrolleure in Bayern im vergangenen Jahr insgesamt 200 Lebensmittelproben als gesundheitsschädlich beurteilt – und die Ware vom Markt nehmen lassen. Das waren aber lediglich 0,3 Prozent aller Proben, die das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im vergangenen Jahr untersuchte. “Lebensmittel in Bayern waren auch 2011 sehr sicher”, erklärte LGL-Präsident Andreas Zapf bei der Vorstellung des Jahresberichts im Landtag.

Beanstandet wurden aber 10,1 Prozent der rund 70.000 Proben – etwa wegen wegen mangelhafter Kennzeichnungen, aber auch wegen Verunreinigungen.

Die Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit stellte in 30 von 391 Betrieben (rund 8 Prozent) gravierende Mängel fest – etwa in Sachen Hygiene.

2010 waren 10,5 Prozent der Proben auffällig. Für den Jahrebericht 2010 waren über 73.500 Proben von Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen, kosmetischen Mitteln und Tabakwaren unter die Lupe genommen worden. Dabei waren 0,1 Prozentpunkte mehr, also 0,4 Prozent, der kontrollierten Lebensmittel als gesundheitsgefährdend eingestuft worden.

Die Zahlen sind nach Aussage des Gesundheitsministeriums jeweils sogar dramatischer als die tatsächliche Situation auf dem Markt – denn auffällige Unternehmen werden öfter und ausgiebiger kontrolliert als solche, die sich nichts zu Schulden kommen lassen.

THEMENSEITE: Der Skandal um Müller Brot

Doch aus Sicht der Abendzeitung Nürnberg stellt sich die Bilanz des letzten Jahres allerdings zumindest für den fränkischen Raum als “Schock-Bericht” dar. So wurden in insgesamt doppelt so vielen Betrieben (41) so gravierende Mängel gefunden, dass die Betrieb schließen mussten. Ganz oben in der Ekel-Liste: Putzlumpen im Spinat und eine Spritze im Fleisch!

In den Zeitraum des jüngsten Lebensmittelberichts (2011) fallen auch die regelmäßigen und in der Nachschau erfolglosen Kontrollen beim Freisinger Großbäcker Müller-Brot. Auch 6 weiteren von insgesamt 20 untersuchten Bäckereien und Konditoreien in Bayern stellten die Kontrolleure gravierende Mängel fest, von Schimmel bis zu Schädlingsbefall.

Bei Müller Brot wurden seit dem Jahr 2000 immer wieder gravierende Mängel festgestellt. Erst in diesem Jahr aber machte der Betrieb dicht – nach dem nach einer Großputz-Aktion immer noch Schaben und Mäusekot in den Produktionshallen gefunden wurde.

Die jüngsten Lebensmittelskandale in Bayern:

  • April-Juni 2012: Mit PCB und Dioxin belastete Eier aus Niedersachsen gelangten unter anderem auch in bayerische Supermärkte.
  • April 2012: Der Fall Müller Brot ist aufgedeckt: Seit dem Jahr 2000 gab es dutzende Kontrollen, es ergingen mehrere Bußgeldbescheide von insgesamt fast 100.000 Euro – zu mehr Sauberkeit verholfen hatten die Strafen nicht
  • Januar 2012:   Wegen unzulässiger Antibiotika-Belastung dürfen 11.900 Schweine in Süddeutschland nicht normal geschlachtet und in den Lebensmittelhandel gebracht werden.
  • VIDEO: “Immer mehr EHEC-Infizierte in Bayern”

    November 2011: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit warnt vor gepanschtem Wodka. Mehrere Lieferungen mit gefährlich hohem Methanolgehalt seien auch in Bayern vertrieben wurden.

  • Juni 2011: Im Zusammenhang mit der EHEC-Krise gerät erstmals auch ein Agrarprodukt aus Bayern ins Zwielicht: Bei Überprüfungen entdecken Lebensmittelkontrolleure den Darmkeim auf dem Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseanbauers (dpa – red)

 

Alternative Bio?

Bio-Lebensmittel enthalten einer umfangreichen Studie zufolge tatsächlich nur in seltenen Fällen Rückstände von Pestiziden. “Nach dem, was wir in den letzten Jahren an Untersuchungen gemacht haben, können wir unterstreichen: Es ist Bio drin, wenn Bio draufsteht”, sagte der Lebensmittelchemiker Magnus Jezussek vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen der Nachrichtenagentur dpa. Das Landesamt hatte zwischen 2007 und 2011 mehr als 1600 Proben auf bis zu 600 Stoffe untersucht. Jezusseks Fazit: “Das hat sich über die ganzen Jahre hinweg als sehr günstig für die Bio-Lebensmittel erwiesen.”

“Bio ist in aller Regel rückstandsfrei”, resümierte der Experte. Nur bei 1,4 Prozent der Obst- und Gemüseproben hätten die Tests den Verdacht auf Verbrauchertäuschung nahegelegt. Ansonsten hätten die Analytiker höchstens minimale Rückstände gefunden, die etwa auf Kontamination durch Wind zurückzuführen seien. Bei Getreide und den anderen untersuchten Produkten war die Quote ebenfalls sehr niedrig.

“Bio-Lebensmittel müssen die EU-Öko-Erzeugnisverordnung einhalten”, erläuterte Jezussek den Unterschied zu gewöhnlicher Nahrung. Herkömmlich wirtschaftende Bauern dürften etwa bestimmte Stoffe wie chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel oder Mineraldünger verwenden, solange bestimmte Höchstgrenzen nicht überschritten werden. “Wir haben einen Anteil von rund 80 Prozent der konventionellen Lebensmittel, wo Rückstände drin sind”, schilderte Jezussek. Besonders häufig hätten die Tests überhöhte Konzentrationen in Trockenobst wie Rosinen oder getrockneten Aprikosen ergeben. (dpa) 

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Bild-Quellen: SAT.1 BAYERN

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