
Dürre Beine, Klamotten, die am Körper schlottern: Hanna wurde immer dünner. (Fotos: Privat)
Hanna, ein bildhübsches Mädchen, 14 Jahre alt. Vor wenigen Wochen hatte das Mädchen sich jedoch fast schon von dieser Welt verabschiedet. Wegen ihrer Magersucht hatte sie sich auf nur noch 39 Kilo heruntergehungert.
Studien zeigen: Immer jüngere Kinder leiden unter Essstörungen, die Opfer werden immer mehr. Auch Hanna rutschte bereits mit 12 Jahren in ein krankes Essverhalten ab. Das von Natur aus schlanke Mädchen empfand sich als zu dick, bekämpfte jedes Gramm an ihrem sich noch entwickelnden Körper. Schon damals kam Hanna in Behandlung. Geholfen hat es nur für kurzer Zeit, dann wurde das Mädchen wieder rückfällig.
Mit 14 Jahren, vor rund 14 Wochen, war Hanna am Ende. Sie kam in eine Klinik an den Chiemsee. “Das war ganz knapp”, sagt ihre Ärztin heute. Wie bei allen Magersüchtigen war der Mangel an Nährstoffen mit erschreckenden Folgen spürbar geworden. Die Betroffenen haben unter anderem mit Schwindel und Ohnmacht, Muskelkrämpfen, starken Unterleibsschmerzen und einer verminderten Herztätigkeit zu kämpfen. Hannas Körper hatte unter der Mangelernährung so gelitten, dass ihr sogar das Gehen schwer fiel.
Zu allem schlägt die Essstörung auf die Psyche: Die meisten Magersüchtigen rutschen in eine schwere Depression ab. Hanna ist heute überzeugt: Ohne die Therapie hätte sie nicht überlebt!

Auf diesem Bild wiegt Hanna nur noch 40 Kilo. (Foto:Privat)
Dr. Silke Naab, Chefärztin der Schön-Klinik am Chiemsee, erklärt im SAT.1 BAYERN Interview: “Die Ursachen für Essstörungen sind ‘multifaktoriell’”. Das heißt, dass selten ein einziger Auslöser für die Krankheit ausgemacht werden kann. Fakt ist allerdings, dass soziale Einflüsse wie Freunde, Medien und Elternhaus eine große Rolle spielen. Was die Patienten eint, ist eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur: Die Mädchen (und auch Jungen) haben in der Regel ein niedriges Selbstwertgefühl, fühlen sich nicht gut genug und empfinden ihre Leistung nicht als ausreichend. In diesem ausgeprägten Perfektionismus werden die nagenden Selbstzweifel laut Dr. Naab oft dadurch verdrängt, in dem die Betroffenen versuchen, in einer Sache besonders gut sein wollen, zum Beispiel in der Schule. Dadurch ensteht noch mehr Stress, der die Mädchen (und Jungen) erst recht überfordert – der Teufelskreis, der in eine Essstörung mündet, ist gelegt.
Für Hanna hat in den letzten Wochen ein neues Leben begonnen. In mehreren Therapien hat sie zu sich selbst gefunden, gelernt, dass sie es wert ist, gesund zu bleiben.
100.000 Menschen in Deutschland sind magersüchtig – rund 90% davon weiblich. Im schlimmsten Fall ist die Krankheit tödlich.
Wichtig ist ein aufmerksames Umfeld, denn der Einstieg in die gefährliche Krankheit vollzieht sich meist in einem schleichenden Prozess. Auffällig sind dabei vor allem Veränderung der Essgewohnheiten hin zu “besonders gesund” oder “diese Lebensmittel sind ab jetzt tabu”. Ab diesem Zeitpunkt sollten sich Eltern darüber informieren, wie sie richtig handeln – Vorwürfe wären an dieser Stelle nicht hilfreich.




