Hakenkreuz-Skandal bei den Bayreuther Festspielen

Nazi-Tattoos unerwünscht – Festspiel-Leitung tauscht den Holländer

Lange liefen die Vorbereitungen auf die diesjährigen Festspiele in Bayreuth erstaunlich geräuschlos ab -und dann das: Kurz vor der Eröffnung musste ein neuer Holländer gefunden werden. Sänger Evgeny Nikitin wurden seine Tattoos mit Nazi-Bezug zum Verhängnis.

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(Foto: Screenshot YouTube)

Es schien eine unspektakuläre Festspielsaison auf dem Grünen Hügel in Bayreuth bevorzustehen. Doch nun gibt es den Eklat schon vor der Eröffnung: Der russische Sänger Evgeny Nikitin, der für die Titelpartie im Fliegenden Holländer vorgesehen war, hat seine Koffer gepackt. Der Grund: Der frühere Metal-Musiker hatte sich einst in jungen Jahren Tätowierungen mit nationalsozialistischem Bezug stechen lassen. Die Festspielleitung bat am Samstag zum Gespräch, anschließend sagte Nikitin seine Auftritte ab. Der Holländer war weg – vier Tage vor der Premiere an diesem Mittwoch mit viel Prominenz aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Am Sonntagvormittag schon änderten die Festspielverantwortlichen die Besetzungsliste – Samuel Youn kommt unverhofft zur ersten großen Rolle in Bayreuth. Der Bassbariton hatte am Festspielhügel bislang eher kleinere Partien inne, war aber im Krankheitsfall sowieso als Nikitin-Ersatz vorgesehen gewesen.

Vom Schlagzeuger wurde er fast zum neuen Star auf dem Grünen Hügel: Evgeny Nikitin (Foto: Screenshot YouTube)

Alles Vergangenheit?

Nikitin, das zeigen Filmaufnahmen, trug früher eine Tätowierung oberhalb der Brust, die leicht als Hakenkreuz zu identifizieren ist. Inzwischen prangt an dieser Stelle ein farbintensives neues Tattoo. Auch Runen trägt er am Körper. Nikitin, 1973 in Murmansk geboren, war mal ein wilder Kerl und spielte früher in einer Metal-Band mit. Daneben hatte er aber auch längst ein Gesangsstudium absolviert.

Er gastiert inzwischen an bekannten Opernbühnen dieser Welt – Salzburger Festspiele, Metropolitan Opera, Bayerische Staatsoper. Nun war der Auftritt in Bayreuth als ein Karriere-Höhepunkt geplant. Nikitin selbst hat die Tattoos als Jugendsünde und als großen Fehler bezeichnet. Eine politische Aussage habe er damit nicht machen wollen, hatte er bereits am Freitagabend der Bild am Sonntag gesagt. Doch das rettete sein Bayreuth-Engagement auch nicht mehr.

“Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen.“

“Entnazifizierung”

Eigentlich hätte Nikitin das Zeug zum Star am Grünen Hügel gehabt: unangepasst, tätowiert, nicht stromlinienförmig. In das Konzept von Festspielchefin Katharina Wagner, die stets eine Öffnung der altehrwürdigen Institution anstrebt, schien Nikitin, der tätowierte Bassbariton mit bewegter Vergangenheit, perfekt zu passen. Aber: Wer im Festspielhaus auf der Bühne steht, betritt geschichtsträchtigen Boden, der einst tiefbraun durchtränkt war.

Nazi-Tattoos - mehr als eine Jugendsünde?

Zu den Ergebnissen

Adolf Hitler ging beim Wagner-Clan im Haus Wahnfried ein und aus. Auf dem Festspielhügel wehten Hakenkreuz-Fahnen. Die engen Verstrickungen der Festspiele mit dem Nationalsozialismus markieren ein düsteres Kapitel deutscher Kultur- und Musikgeschichte. Hier sind Sensibilität und Vorsicht besonders gefragt. Jeden Anschein, man sei sich dieser Geschichte nicht bewusst, wollen die Festspiele wohl vermeiden. Deshalb haben die Verantwortlichen Nikitin am Samstag zur Unterredung gebeten.

Der Münchner Staatsopernintendant Nikolaus Bachler hat den Wagner-Schwestern Verlogenheit vorgeworfen:

“Dass die Torheit eines 16-jährigen Rocksängers, der diese längst bereut und versucht hat, ungeschehen zu machen, ausgerechnet nun von der Wagner-Familie geahndet wird, finde ich verlogen.”

Nikitin habe den Vorfall nicht nur bedauert, sondern auch Reue gezeigt. “Eine Reue, die ich von der Familie Wagner in den letzten 50 Jahren nie vernommen habe”, so Bachler weiter.

Dirigent Christian Thielemann hingegen hat die Auswechslung des russischen Sängers Evgeny Nikitin bei den Bayreuther Festspielen verteidigt. Der Berliner Tageszeitung B.Z. sagte er:

Ein Hakenkreuz geht nie, nicht nur in Bayreuth! Das geht auch in Australien nicht!

Thielemann, der die Holländer-Premiere an diesem Mittwoch dirigieren wird, kritisierte das Management des Sängers: “Wie kann man einen Sänger so ins Messer laufen lassen? Man hätte Nikitin besser schützen sollen und ihm zumindest erklären müssen, dass er mit diesen Tätowierungen für Irritationen sorgen wird.”

(dpa – red)

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Bild-Quellen: SAT.1 BAYERN

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Eine Antwort auf Hakenkreuz-Skandal bei den Bayreuther Festspielen

  1. Herbert Kiel sagt:

    Könnten Sie bitte erklären, welche Runen und Symbole er benutzt hat und WAS genau sie im Dritten Reich bedeuteten?

    Man kann in einem Beitrag viel erzählen. Das Hakenkreuz ist im Rest der Welt ein Glückssymbol.

    UND NEIN ich bin weder rechtsradikal noch “Neonazi”. Ich habe einfach die Nase voll von diesem Kram.

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