Pferde-Skulptur aus Computertasten beschäftigt Gericht

Künstler Babis Panagiotidis hat sich jetzt an eine 2. Version seines Kunstwerkes gemacht

Kunst ist ja gerne mal Geschmackssache – doch wenn ein Kunstwerk verschwindet, ist Schluss mit der Toleranz. In diesem Fall geht’s um ein überdimensionales Schaukelpferd und fast 80.000 Euro…

120726_pferd.m4v 120726_pferd.m4v

“Hedon is (my) Trojaner” - 2,40 Meter hoch und 2,90 Meter lang.
Dieses Kunstwerk landete im Müll. (Foto: Babis Panagiotidis)

Das Nürnberger Oberlandesgericht hat heute über einen jahrelangen Rechtsstreit zum Verbleib eines Kunstwerkes verhandelt. Dabei geht es um die Pferde-Skulptur “Hedon is (my) Trojaner”.

Das überdimensionale Schaukel-Pferd, über und über bedeckt mit 18.000 Computertasten, war vor drei Jahren im Rahmen der Ausstellung zum Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten gezeigt worden. Innerhalb kürzester Zeit, so der Künstler, kam unter anderem auch eine Anfrage aus den Arabischen Emiraten – ein Kunstliebhaber wollte das “Tasten-Pferd” kaufen. laut Künstler für 100.000 Euro. Ein voller Erfolg also. Doch Künstler Babis Panagiotidis wollte sich noch nicht von seinem Werk trennen, es zunächst weiter ausstellen. Und ab da begann das Drama – denn das Pferd verschwand.

Künstler Panagiotidis hat für die 2. Version seines Pferdes noch viel Arbeit vor sich. (Bild: SAT.1 BAYERN)

Schuld daran war der Mieter einer Garage, in der Panagiotidis das Pferd für eine Zeit lagern wollte – bis sein Atelier umgebaut war. Der zahlte nämlich die Miete für die Garage nicht – so lange, bis der Vermieter die Nase voll hatte und die Garage mitsamt Pferd entrümpelte. Monatelange Arbeit war damit zerstört. ”Ein Schock. Ich brauchte Monate, um ihn zu verarbeiten”, sagt Panagiotidis heute – spätestens als er erfuhr, dass der Vermieter das Pferd mit der Kettensäge zerstört hatte.  Der Künstler zog also vor Gericht – und gewann. In einem ersten Verfahren war der Garagen-Eigentümer zu 73.500 Euro Schadenersatz verurteilt worden. Jetzt ging es aber in die nächste Instanz, denn der Eigentümer will ein Mitverschulden des Künstlers erstreiten. Das Gericht allerdings hofft erstmal auf einen Vergleich.

Der in einem ersten Urteil taxierte Wert der Figur von rund 70.000 Euro sei zumindest plausibel, sagte der Vorsitzende Richter Michael Hauck am Donnerstag nach der Anhörung zweier Zeugen.  Kommt es nicht zum Vergleich, soll der Prozess am 24. August fortgesetzt werden.

Panagiotidis hat vor ein paar Monaten angefangen, das Pferd nachzubilden. Allein das Sammeln, Säubern und Abfeilen der tausenden Computertasten wird noch einige Zeit dauern… (dpa – red)

THEMENSEITE: Kurioses aus Bayern

VIDEO: 2.000 Euro für alte Pommes

Zuletzt aktualisiert:  von
Bild-Quellen: SAT.1 BAYERN

Kommentare

*

Mit * gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden.