Im 3 D Test: Verhalten im brennenden Autotunnel

Reale Angst im Multisensorik-Labor – Würzburger Uni forscht für Tunnelsicherheit

Immer wieder knallt es in langen Autotunneln. Die größte Gefahr geht dabei vom Rauch nach Bränden aus. Wie sich die Menschen schneller und sicherer retten können, soll nun in Würzburg erforscht werden.

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Richtiges Verhalten im Tunnel

  • Schalten Sie bei Einfahrt einen Radiosender mit Verkehrsfunk ein, achten Sie jederzeit auf Signalanlagen und lnfotafeln
  • Rechnen Sie immer mit einem Stau im Tunnel – halten Sie daher Tempolimit und Sicherheitsabstand ein
  • Wenn Sie an ein Stauende heranfahren, schalten Sie die Warnblinkanlage ein. Halten Sie immer ein paar Meter Abstand zum Vordermann
  • Wenn Sie selber in einen Unfall verwickelt sind: Versuchen Sie unbedingt, noch aus dem Tunnel herauszufahren
  • Wenn Sie Ihr Auto verlassen müssen: Parken Sie in einer Parkbucht oder zumindest weit rechts, dann: Warnblinkanlage an, Warndreieck aufstellen, Schlüssel stecken lassen
  • Rufen Sie über die Notrufanlagen um Hilfe, NICHT über das Handy – zum einen kostet schlechter Empfang unnötig Zeit, zum anderen wissen die Retter sonst nicht, wo Sie sich befinden
  • Verlassen Sie den Tunnel über Fluchtwege, bei schlechter Sicht helfen Fluchtnotbeleuchtung oder tasten Sie sich an der Tunnelwand entlang
  • Brand am Auto: Es gibt Löschanlage im Tunnel, in der Entstehungsphase können Sie so mithelfen, ein Feuer in Zaum zu halten

Helle Flammen schlagen aus dem Lastwagen, der mitten im Tunnel steht. Aus dem Lautsprecher tönt eine weibliche Stimme: ‘Bitte gehen Sie zu den Notausgängen’. In der grauen Röhre blinken die Warnlichtanlagen mehrerer Autos, Rauch zieht an der Decke entlang. Und inmitten des Feuerinfernos im Tunnel steht Elisa Montini. Doch in Gefahr ist die Studentin trotz des Chaos um sie herum nicht.

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Die 22-Jährige steht im neuen 3D-Multisensoriklabor der Universität Würzburg. Es ist ein bundesweit einmaliges Labor für die Sicherheitsforschung in Tunneln. Damit soll ergründet werden, wie sich Menschen in einer Gefahrensituation verhalten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Projekt mit 900.000 Euro gefördert. Ziel ist, die Erkenntnisse sowohl in bauliche Veränderungen als auch in Schulungen von Auto- und Lastwagenfahrern einfließen zu lassen.

“Man weiß noch relativ wenig über die Faktoren, die das menschliche Verhalten in Gefahrensituationen wie diesen beeinflussen”,

sagt Andreas Mühlberger vom Lehrstuhl für Psychologie. Er leitet gemeinsam mit Lehrstuhlinhaber Paul Pauli das Projekt.

Todesfalle Rudelverhalten?

Bekannt ist bereits, dass viele Menschen bei einem Brand einfach in ihrem Auto sitzen bleiben, weil sie sich dort sicher fühlen. Und sie laufen eher zu den Eingängen der Tunnel, statt die Notausgänge zu benutzen, sagt Mühlberger. Zudem spiele auch das Rudelverhalten eine Rolle. Daher soll auch die ideale Form, Farbe und Größe von Notausgängen, Schildern und Gehwegen soll erforscht werden.

In dem 12 Quadratmeter großen Raum aus hochsensiblen Plexiglaswänden können diese und viele weitere Faktoren nach Belieben verändert werden. “Solche Experimente wären ohne die virtuelle Welt im Labor nicht so einfach möglich”, sagt Pauli. Bislang haben die Ingenieure ihr Wissen für den Straßenbau und die Tunnelplanung vor allem aus bereits passierten Unfällen erlangt. Mit dem High-Tech-Labor in Würzburg können Lösungen gefunden werden, ohne dass jemand zu Schaden kommt.

“In einem Tunnel sollte man immer auf die Selbstrettung vertrauen und nicht darauf, dass man gerettet wird”,

sagt Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino vom Automobilclub ADAC. Deshalb seien die Autofahrer umso mehr auf klare Zeichen und eine sinnvolle Bauweise angewiesen.

Im Simulator

Mit Sensoren und Kamera ausgestattet, weicht es jedem Hindernis aus.

THEMENSEITE: Wissenschaft und Forschung in Bayern

Die Studentin Montini trägt für den Selbstversuch eine 3D-Brille. In der Hand hält sie einen Joystick. Über Sensoren erkennt der Computer außerhalb des 3D-Würfels, in welche Richtung sie sich bewegt und wohin sie dabei schaut. Dementsprechend wird der Blick in den Tunnel angepasst – also das Bild, das auf die Wände projiziert wird. Sie hat einen 360-Grad-Rundumblick, künftig sollen auch Gerüche eingesprüht werden. Es wirkt sehr echt, sagt die Erasmus-Studentin aus Italien. Sie fährt seit vier Jahren Auto. In einer solch gefährlichen Situation habe sie sich noch nie befunden. “Es ist ein gutes Training, gerade für junge Leute”, sagt sie. Es werden nicht nur die Bewegungen der Testpersonen gemessen. Auch Puls, Schweiß und Hirnströme sollen aufgezeichnet werden.

“In einer Gefahrensituation wird das Verhalten intuitiv und nicht rational”,

sagt Pauli. Je besser die Wissenschaftler dieses Verhalten einschätzen können, desto besser können die Ingenieure darauf reagieren. Denn die beste Sicherheitstechnik in einem Tunnel nutzt nichts, wenn der Nutzer sie nicht bedienen kann, sagt Mühlberger. (dpa -red)

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Bild-Quellen: SAT.1 BAYERN

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